Beschreibung
Für gewöhnlich nennt der Mensch etwas «Ich», das eigentlich ein Empfinden ist: das Selbstempfinden. Tatsächlich ist dieses «Alltags-Ich», das wir als körpergebunden erleben, offenbar notwendig dafür, dass sich der Mensch bewusstseinsmäßig aus der Welt heraustrennen, ihr gegenüberstehen und somit reflektieren kann. Aber ist dieses «Ich» schon das wahre Selbst? Was befähigt uns dazu, diese (fiktive) Ich-Wesenheit wiederum von Außen, als ein Objekt zu betrachten? Was erhält die Kontinuität des Bewusstseins aufrecht, wenn wir, beispiels- weise bei einem Konzert, in völliger Hingabe das «Alltags-Ich» vergessen?
Georg Kühlewind fordert dazu auf, sich in aktivem Denken und meditativer Vertiefung der Substanz jenes wahren Selbstes zu nähern: der freien, nicht-geformten Aufmerksamkeit, die in jede Form einströmen, sich aber auch wieder aus ihr zurückziehen kann und somit jeglichen Vorggang des Verstehens veranlasst und trägt. Er macht in beeindruckender Klarheit deutlich, was es heißt, wenn die Aufmerksamkeit in «sinnlosen Formen» gefangen wird (Irrtum und Illusion, alle Formen von Sucht, Ärger, Hass) und wie in den Übungen der Konzentration und Meditation ein Schlüssel dafür liegt, sie wieder aus ihnen zu befreien.
(05.09.08)
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