Beschreibung
Eine der schönsten, facettenreichsten Romane der großen Erzählerin Rosemary Sutcliff – der krönende Abschluss ihrer Trilogie über die Zeit der Römerherrschaft in Britannien. Ausgezeichnet mit der Carnegie Medal, der höchsten Auszeichnung für ein Jugendbuch in England.
Der junge Aquila dient bei den »Adlern«, wie sein Vorfahr, der einst mit den römischen Legionen nach Britannien kam. Doch die römische Herrschaft ist schon lange im Sinken, die Festungen bröckeln, das Leuchtfeuer von Rutupiae brennt nicht mehr. Als überraschend die letzten Truppen aus Britannien abgezogen werden, entschließt sich Aquila zur Desertion. Mit einem Überfall der Sachsen auf das Landgut der Familie beginnt sein wechselvolles Schicksal: als Sklave bei einem Stamm in Jütland, als Flüchtling in einer Einsiedelei, als Kämpfer unter Ambrosius gegen die Barbaren. In Rosemary Sutcliffs meisterhafter, fein differenzierter Schilderung wird durch den jungen Römer Aquila und seine Beziehung zu zwei starken, eigenwilligen Frauen: seine Schwester Flavia und die keltische Fürstentochter Ness, der Übergangscharakter einer Epoche spürbar, die um Verlorenes trauert, aber auch nach Neuem sucht.
… Er ging langsam auf sie zu und sie standen da und schauten einander an: »Was tust du hier, Ness?«, fragte Aquila endlich, in einem Ton, der so grau klang wie der Morgen. »Ich bin gekommen, um dich anzuschauen. Man verzeihe mir, dass ich mich ein wenig dafür interessiere, wo ich doch mit dir und lauter Fremden gehen soll und den Rest meines Lebens in deiner Obhut verbringen muss.« »Cradoc, dein Vater, hat es dir also gesagt?«, fragte Aquila. »Oh ja, mein Vater hat es mir gesagt. Das war freundlich von ihm. In Wirklichkeit macht es keinen Unterschied, natürlich. Aber es ist nett, wenn man solche Dinge rechtzeitig erfährt und sie nicht hinterher herausfindet.« Sie betrachtete ihn mit der gleichen kühlen Herausforderung wie bei ihrer ersten Begegnung, aber ohne Lächeln: »Warum willst du mich heiraten?« Aquila wusste, für die blonde Schwester hätte er aus Freundlichkeit irgendeine Lüge erfinden müssen, aber nicht für Ness. Für Ness gab es nur die Wahrheit. »Weil wir Britannien vor den Barbaren nur retten können, wenn wir ein Volk werden«, sagte er. Es klang steif und hochtrabend, aber es war die Wahrheit, etwas Besseres konnte er nicht sagen. Ness betrachtete ihn eine Weile und ein amüsiertes Lächeln zuckte um ihren Mund: »Also hat Ambrosius es befohlen! Und wenn man daran denkt, dass wir seinetwegen ein Schwein getötet haben!« Und dann fragte sie, plötzlich wieder ernst und neugierig: »Wenn es egal ist, welche von uns es ist, warum ich und nicht Rhyanidd?« …
(04.09.08)
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