Beschreibung
Warum mussten sie nur in das Haus am Fjord ziehen? Kein warmes Wasser, keine Badewanne, keine Freunde. Dafür streiten Martins Etern oft, und HP, der Nachbarjunge, sieht aus, als könnte er Prügel austeilen. Er steckt jedenfalls welche ein, wenn sein Vater betrunken ist. – Und Martin lauert der starke Skipper mit seiner Bande in der Schule auf …
Die Lage verschlimmert sich noch: Martins Vater hat als Kunstmaler keinen Erfolg. Und den Erfolg seiner ebenfalls malenden Frau verkraftet er nicht. Eines Abends geht er wortlos weg. HPs Vater dagegen erleidet einen Schlaganfall. – Jedoch wächst zwischen Martin und HP langsam ein Band: Freundschaft? Ein großes Wort! Aber sie stellen fest, dass sie sich aufeinander verlassen können. Ohne Wenn und Aber. Und fast unmerklich kommt mit dem neuen Jahr und dem Frühling das Gefühl hoch, dass alles gut ist, so wie es ist.
Bodil Bredsdorff ist mit Unter Brüdern eine realitätsnahe Geschichte mit wunderbar nuancierten Charakteren gelungen, die sie in einer unsentimentalen, dichten Sprache oft gleichsam zwischen den Zeilen erzählt.
... Wir aßen morgens die gleiche Hafergrütze, die gleichen faden Pausenbrote in der Schule, die gleichen Fischfrikadellen an dem kleinen Küchentisch. Und wir sprachen miteinander in der Dunkelheit. Aber gewisse Dinge wurden nie erwähnt, zum Beispiel die Schläge, die HP ab und zu von seinem Vater bekam, und die Ohrfeige, die HPs Vater vom Ladenbesitzer hatte einstecken müssen. Was dieses Thema anging, hielten wir uns an den Traum, Skipper die Dresche zu verabreichen, die ein für allemal einen Schlusspunkt hinter all die Prügel setzen würde. Bis in alle Ewigkeit. Amen. Das war unser innigstes und einziges Abendgebet. – Ich betete aus reiner und schierer Angst, mit bebendem Herzen, und was mich aufrecht hielt, war, dass ich es nicht alleine tat. Ich betete gemeinsam mit einem Bruder. Denn auch wenn HP nicht mein richtiger Bruder war, so war er doch mein Bruder im Geiste. Und mit geballten Fäusten mein Blutsbruder ...
Simone Lambert, die als Rezensentin von Kinder- und Jugendliteratur für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften tätig ist, hat das Buch für Sie gelesen. Die Rezension erschien im Lebensmagazin a tempo im Mai 2009.
(12.02.2010)
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