Hinter den Spiegel geschaut

Alltägliche Wunder und so

Beschreibung

Ein Spiegel mit beschädigtem Belag – nichts als ein Garantie-Fall? Oder werden schadhafte Stellen, die die bekannte Welt nicht mehr reflektieren, zum Fenster, das Durchblick gewährt?

Georg Dreißig erklärt nicht, er gibt sorgfältig wider, was der durchlässige Belag des Spiegels ihn erkennen lässt. Und er lädt den Leser ein, mitzuschauen, mitzudenken: in kurzen, wohl komponierten und locker aneinander gereihten Episoden, den Alltag teils widerspiegelnd, teils gewitzt oder staunend darüber hinausweisend, in immer wieder überraschenden Wendungen.

Aber Vorsicht, Wort-Schmecker und Text-Tüftler! Beachten Sie die beigefügte Gebrauchsinformation: "Für optimale Wirksamkeit nie mehr als drei Episoden auf einmal einnehmen. Unverdünnt langsam auf der Zunge zergehen lassen."

 

"Vermisst?

Seit dem letzten Maskenball liest er immer als Erstes die Vermisstenanzeigen. Er hat in dieser Narrensaison so oft das Kostüm gewechselt, dass er jetzt nicht mehr weiß, welche der abgelegten Gestalten er einmal vollen Ernstes gewesen ist. Rückblickend erscheinen sie ihm alle gleichermaßen lächerlich. Dennoch: Für eine muss er sich ja wohl entscheiden; es gehört sich schließlich so. Darum liest er immer als Erstes die Vermisstenanzeigen. Vielleicht, dass irgendeiner ihn sucht, der ihn wieder gern so hätte, wie er einmal war, eine Ehefrau z.B. oder ein Kind. Er wäre bereit dazu."

(13.08.08)

Produktinformation

ISBN-13: 
978-3-8251-7721-8
Einband: 
Gebunden
Seiten: 
128
Verlag: 

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